merkur.de, 21.02.2021
Filmaktion in Weßling


Das Filmprojekt “Gemeinsam statt einsam” ist eine magische Reise durch schwierige Zeiten”, sagt Ingrun Finke (59). Am Samstag drehte die Filmemacherin die Abschlussszene des Kinder- und Jugendfilms am Weßlinger See. Der Streifen soll auf Festivals, Kongressen, in Schulen und im Kino gezeigt werden.

Weßling – Grundvoraussetzung für den Abschlussdreh war Sonnenschein, und den gab es am Samstagmorgen in Weßling ohne Einschränkung. Also versammelten sich in der Morgensonne zahlreiche Weßlinger Kinder, um dem Film „Gemeinsam statt einsam“ den letzten Schliff zu geben.

Dreh- und Angelpunkt des Filmprojekts der Weßlingerin Ingrun Finke ist ein magisches Tagebuch, das die Heranwachsenden aller Nationen imaginär miteinander verbindet. In der Story finden Hauptdarsteller Rosanna (12) und Tim-Loris (14) den in Leder gebundenen Schatz eines Tages im Keller. Schnell finden sie heraus, dass jede Frage, die sie darin notieren, mittels einer Glaskugel an andere jungen Leute herangetragen und von diesen beantwortet wird.

In diesem Handlungsrahmen dürfen, ja, sollen die Weßlinger Kinder und Jugendlichen kreativ werden, sagt Finke. Beispielsweise Rosanna, die seit Längerem brennend interessiert: „Es gibt nur schlechte Nachrichten. Hat jemand gute Nachrichten?“ Die Antwort ist die Sequenz in einem Fernsehstudio, das die Jungschauspieler im Keller der Filmfrau zimmerten, und aus dem eine Sprecherin über Mikro nur Schönes und Wohltuendes verkündete.

Die Filmemacherin, die auf 30 Jahre Erfahrung zurückblickt, hat jede Szene ohne Stativ mit ihrer HD-Kamera eingefangen und nutzt die Drohne eines Mitspielers. Auf diese Weise sind schon einige 60-Minuten-Filme mit stets aktuellem Hintergrund entstanden. Jüngst beschäftigte Finke das Problem Mobbing. Das Ergebnis war beim Fünf-Seen-Fimfestival zu sehen, wurde in Ulm sogar in einem großen Kino ausgestrahlt und wird seither durch die Schulen weitergereicht, berichtet die Weßlingerin. Das Nachfolgeprojekt sollte eine Märchengeschichte mit einer Schulklasse werden, das hatte sich die 59-Jährige Anfang 2020 vorgenommen. Die Schulschließung zwang sie zum Umdenken – und gab gleichzeitig das neue Thema vor: Kinder und Jugendliche in Zeiten der Pandemie.

Die Protagonisten sprach die Filmemacherin teilweise auf der Straße an. Mit den Hauptdarstellern, allesamt ebenfalls aus Weßling, hat sie schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Luzie und Paulina fielen Finke bei den Dreharbeiten zum Fernsehfilm „Nie zu spät“ auf, als die Zehnjährigen dem Kameramann über die Schultern schauten. Die Mädchen treffen sich seit diesem Jahr an Wochentagen zum gemeinsamen Homeschooling. In ihrer Freizeit widmen sie sich beispielsweise Kettenreaktionen von aneinandergereihten Dominosteinen. Oder sie bauen Schneemänner mit gelbe Rübennase und Knopfaugen. Auf Film gebannte Beschäftigungen, die zur Frage passen: „Hat jemand im Lockdown ein besonderes Hobby entwickelt?“ Ebenso zu sehen ist Leos neue Leidenschaft: Der 12-Jährige hat sich in der Küche eingerichtet und zaubert den Kochlöffel schwingend ausgefeilte Dreigangmenüs auf den Familientisch. Valentina (9) sprach Finke beim Schlittenfahren an. „Meine Mutter hat sich den Trailer angeschaut und war sofort einverstanden, dass ich mitmache“, erinnert sich die Weßlinger Grundschülerin, die im Lockdown das Trampolinspringen für sich entdeckt hat. „Und wenn ich traurig bin, streichle ich meine Hasen“, erzählt sie, während sie Filmhund Winnie krault.

Finanziert wird das Ganze privat oder über Spenden, sagt Finke. Das sei teuer. Schließlich müsse der Cutter bezahlt werden. Oder die Reisen nach Köln, Osnabrück und Ludwigshafen, wo sie die 50 zwischen sechs und 22 Jahre alten Darsteller getroffen hat. „Wir sind dringend auf der Suche nach weiteren Sponsoren“, betont sie.

Foto von Andrea Jaksch