Süddeutsche Zeitung, 24.11.2018
Grundschüler drehen Film über Mobbing – von Hannah Maassen

Zauberer, Kobolde, Zeitreisen, magische Steine und ein Kampf gegen Mobbing und “Feindschaft”: Es klingt wie ein neuer Kinder- und Jugendfilm à la “Bibi und Tina” oder “Die kleine Hexe”. Ist es aber nicht, denn “Julia und die Freundschaftssteine” ist nicht mit professionellen Schauspielern, sondern mit Drittklässlern der Grundschule Söcking besetzt. Abgesehen davon sind die Unterschiede aber nicht so groß, wie man denken könnte.

Der Film rund um Julia und ihren Kampf um Freundschaft lief am Freitag auf dem Filmfest. Er dauert knapp 60 Minuten, ist mit Spezialeffekten und professionellem Voiceover ausgestattet und von der routinierten und ausgebildeten Filmerin Ingrun Finke gedreht. Die Produktion handelt von einem in Schulen alltäglichen Problem: Mobbing. Julia ist neu in der Klasse und wird von vornherein von den beliebten und aufrührerischen Jungs und Mädchen gemobbt. Für eine Klassenarbeit zum Thema “Zwischenmenschliche Beziehungen” versucht die Protagonistin, das Thema Freundschaft beziehungsweise Feindschaft zu verstehen. Mit Hilfe von Zauberern, die ihr eine Zauberkugel, die Gefühle von anderen zeigt, und “Freundschaftszaubersteinen”, die Hass beenden können, und ihrer neu gewonnenen Freundin Stella kämpft sie gegen Kobolde, die für glitzernde Gegenstände sogar Leute vergiften, und ihre Mobber. Ob am Ende alle Freunde werden?

Die Filmemacherin sei auf die Grundschule zugegangen, erklärt die Klassenleiterin Bettina Nickel, die Kooperation mit der Ganztagsklasse habe sich angeboten, unter anderem weil zwei neue Schülerinnen in die Klasse gekommen seien und diese dadurch gleich in die Gemeinschaft eingebunden werden konnten. Das Schreiben der Geschichte und die Dreharbeiten hätten ungefähr ein halbes Jahr lang gedauert, an ein bis zwei Nachmittagen pro Woche wurde getextet, geprobt und gedreht. Von Handlung über Kostüm und Requisiten hätten die Kinder auf alles Einfluss nehmen können. Und man merkt es, zum Beispiel an den Kostümen der Mobber, die Lederjacken, DJ-Kopfhörer und natürlich verspiegelte Sonnenbrillen tragen, oder an Wortwechseln wie “Was die wohl suchen?” – Ja, ganz bestimmt keinen Streuselkuchen!”, die nur kindlicher Fantasie entspringen können. Manchmal hätte auch spontan umdisponiert werden müssen, so zum Beispiel, als die Hauptdarstellerin sich in den Ferien die Haare kurz schnitt, musste man “spontan eine Szene dazuschreiben”, sagt Finke.

Der Aufwand hat sich aber in mehrfacher Hinsicht gelohnt. Hauptdarsteller Lamija, Aleksa und Nelio erklären: “Bevor wir den Film gedreht haben, war es in unserer Klasse auch nicht so gut, nach dem Film ist das besser geworden”. Die Kinder für das Thema zu sensibilisieren und im besten Fall dazu zu bringen, Mobbing zu beenden, war auch einer von Ingrun Finkes Beweggründen so einen Film zu machen. Spaß machte das Projekt obendrein. Auch deswegen stehen Schüler und Regisseurin noch in Kontakt miteinander – und sind sich einig: Sie wollen eine Fortsetzung drehen, dafür bräuchten sie aber noch Sponsoren.