Südwest Presse (Ulm), 05.11.2019
Regisseurin Ingrun Finke dreht mit Schülern der Syrlin-Grundschule einen Film zum Thema Mobbing. Die Kinder fanden die Dreharbeiten “cool”. Von Beate Rose

Ein hilfloser Zauberer, Kobolde, das Mädchen Lisa, dessen bester Freund Joey, Kinder der fiesen Bande – sie alle sind Figuren im Film „Lisa und das Geheimnis des Zauberschattens“. Gedreht hat ihn die Regisseurin Ingrun Finke und zwar mit damaligen Zweitklässlern der Jörg-Syrlin-Grundschule am Kuhberg. Kürzlich war Premiere in der Lichtburg.

Themen des Filmes sind Mobbing und Freundschaft. Schulleiterin Elke Ruhland beschreibt es so: „Es geht ums Zusammenleben, sich gegenseitig achten, niemanden ausgrenzen“ – Dinge, die von Schülern täglich gefordert sind und die nicht für alle selbstverständlich sind. „Das trifft den Nerv von Schule.“ Deshalb stellte sie das Angebot von Regisseurin Finke, mit Schülern dazu einen Film zu drehen, ihren Lehrerinnen vor. Der Vorschlag kam im Juli 2018 vom Staatlichen Schulamt an die Ulmer Schulen. Bärbel Kuhn, damals Klassenlehrerin jener Schüler an der Syrlinschule, die jetzt im Film zu sehen sind, meldete sich sofort bei Ruhland. Lehrerin Kuhn wollte das Filmprojekt deswegen mit den 24 Kindern ihrer Klasse umsetzen, „weil das alles zur Gemeinschaft beträgt“, ist sie überzeugt.

Im Mittelpunkt des Filmes steht Lisa. „Lisa hat ein Problem“, sagt der Sprecher im Film. Und weiter: „Lisa fühlt sich allein, ausgegrenzt, ohne Freunde.“ Die Rolle der Lisa könne nur jemand spielen, der ausgesprochen gefestigt ist, sagt Regisseurin Finke. Gefunden hat sie Lisa in Person von Annika Wenzel. Im Film trifft Lisa auf den Zauberer, gespielt von Ole Pöhler, der seinen Schatten verloren hat. Er bittet Lisa um Hilfe. Lisa erfährt Unterstützung von einem Jungen namens Joey, gespielt von Noel Jäger. Doch die fiese Bande und Kobolde wollen sie daran hindern, dass sie dem Zauberer helfen.

Die Ideen zum Film lieferten die damaligen Zweitklässler, Kinder zwischen sechs und sieben Jahren. „Die Ideen der Kinder galt es zu sortieren, dass daraus eine schöne Filmhandlung wird“, schildert Finke. Die hat sie in 40 Seiten Drehbuch aufgeschrieben. Die Schüler, inzwischen Drittklässler, hätten noch viel mehr Ideen auf Lager gehabt, erzählen sie bei einem Termin an der Schule. „Etwas mit Hunden“, sagt etwa Natalja, die Jungs Levin, Amir und Raphaël lieber etwas mit mehr Fußball. Sie alle spielen im Film Kinder der fiesen Bande. Alle Kinder „haben unglaubliches geleistet“, schwärmt Regisseurin Finke. „Sie waren noch so klein, da ist es nicht leicht, sich zu konzentrieren.“ Klassenlehrerin Kuhn nennt die Dreharbeiten „eine Herausforderung für die Kinder“. Sie mussten über lange Zeit aufmerksam sein, hatten Texte gelernt, vor der Kamera gespielt. Finke, die im Landkreis Starnberg lebt, reiste dafür immer wieder nach Ulm.

Die Kinder hingegen fanden die Dreharbeiten gar nicht anstrengend, wie sie sagen, sondern „richtig cool“, fasst Levin zusammen. „Mal was anderes als Schule“, sagt etwa Ole. Ist es anstrengend gewesen? „Nee“, meint Levin. „Wir sind durch ganz Ulm gelaufen“, beschreibt Amir. Sich in Szenen ausprobieren, dabei „verschiedene Sachen machen“– das hat Natalja gefallen. Milla, die einen Kobold spielt, hätte allerdings gedacht, dass der Film länger wird. „Wir haben vieles wiederholt“, erzählt sie. Entstanden ist dabei Material für zwölf Stunden Film, sagt Finke. Der Kinofilm dauert letztlich 35 Minuten. „Es ist ein total schöner Film geworden“, steht für Finke fest. Egal, wen man am Premierenabend in der Lichtburg fragte – alle sind dieser Ansicht, Kinder, Eltern, Sponsoren, Lehrerin

Die Herausforderung für Schulleiterin Ruhland bestand darin, Geld zusammenzutragen, da der Film komplett aus Spenden finanziert wurde. „Knackig“ ist das gewesen, erzählt sie. Manche Enttäuschung musste sie wegstecken. „Die einzigen, die sofort geantwortet haben, war die Stiftung Gänseblümchen.”
3000 Euro Startgeld gab es. „Damit konnte es losgehen.“ Ob sich der ganze Aufwand letztlich denn gelohnt hat? Lehrerin Kuhn beschreibt es so: „Spaß hat es allen gemacht und manches Kind, das in der Schule vielleicht nicht so gut ist, hat gemerkt: Ich kann was.“ Für Schulleiterin Ruhland ist der Film eine „runde Sache“geworden. Er hat dazu geführt, dass das Klassenklima besser geworden ist, schildern die Kinder. „Der Film hat viel verändert“, sagt Natalja. „Mit den meisten ist es jetzt besser“, sagt Milla. Für die Kinder steht übrigens fest: „Am liebsten würden wir noch einen Film drehen“, sagt Levin. Nur übers Thema sind sie noch uneins. Die Jungs wollen was mit Grusel – die Mädchen nicht.