Süddeutsche Zeitung, 11.01.2018
Katharina Bolzmacher hat ihren Schülern ein Filmprojekt ermöglicht – Interview von Stehphanie Schwaderer

Mithilfe einer Zauberkugel träumt sich die zehnjährige Marie von Bayern nach Brasilien. Dort trifft sie Carlos, einen Jungen, der Fußballprofi werden möchte, aber keine Tore schießen kann. So beginnt die Geschichte “Maries Zauberwünsche und das Geheimnis der Schnürsenkel”, die sich Beuerberger Grundschüler ausgedacht und mit Hilfe ihrer Lehrerin Katharina Bolzmacher und der Ickinger Regisseurin Ingrun Finke in einen Film verwandelt haben.

SZ: In dritten und vierten Klassen regiert der Übertrittsstress. Wie haben Sie da ein großes Filmprojekt untergebracht?
Katharina Bolzmacher: Man muss sich einfach die Zeit nehmen. Bei solchen Projekten lernen Kinder ja oft viel mehr als im regulären Unterricht; da passieren Dinge, die sie fürs Leben behalten. Allerdings habe ich das Glück, an einer schönen kleinen Dorfschule zu arbeiten. In der vierten Klasse, mit der wir den Film gemacht haben, waren nur 14 Kinder.

Und alle waren mit Begeiterung dabei?
Ja, das war für mich die Voraussetzung gewesen. Die Regisseurin Ingrun Finke war auf mich zugekommen, weil sie einen Film über Flüchtlingskinder drehen wollte. Das sollte ein kleines, etwa zweimonatiges Projekt werden. Kurz vor Weihnachten 2015 hat sie ihre Idee in der Klasse vorgestellt. Die Frage lautete: Wollt ihr etwas über andere Kulturen erfahren? Und die Antwort war ein begeistertes Ja! Dann hat das Ganze eine erstaunliche Dynamik bekommen: Das Thema war plötzlich Brasilien, alle waren Feuer und Flamme, jedes Kind hat sich ganz individuell eingebracht – und so haben wir ein halbes Jahr bis zum letzten Schultag daran gearbeitet.

Wie haben Sie das mit dem Lehrplan vereinbart?
Da ließ sich Vieles integrieren: In Heimat- und Sachkunde haben wir recherchiert, in Deutsch an unserer Geschichte geschrieben; in Kunst haben wir Kulissen gemalt, in Musik brasilianische Lieder einstudiert und in Sport die Fußballszenen gedreht. Das Faszinierende war, dass die Kinder von selbst ihre Rollen gefunden und ihre Talente genutzt haben. Auch wenn wir nur einen Projekttag pro Woche hatten, waren sie über eine WhatsApp-Gruppe permanent mit Ingrun Finke im Kontakt, und sie ist auf alle Ideen eingegangen.

Was haben Ihre Schüler dabei gelernt, was sie im Unterricht verpasst hätten?
Zunächst einmal hatten sie sehr viel Raum für Kreativität: Die Geschichte und die Charaktere sind Stück für Stück gewachsen, immer wieder haben sie Szenen umgeworfen und neu geplant. Das war mit sozialem Lernen verbunden, mit der Erkenntnis, dass man offen für andere Meinungen sein muss, und natürlich auch mit Frustrationstoleranz. Und alle haben gelernt, über ihren Schatten zu springen! Viele waren am Anfang vor der Kamera gehemmt. Am Ende haben alle wie kleine Profis agiert.

Haben Sie auch etwas gelernt?
Dass es sich immer lohnt, offen für Neues zu sein. Und dass man Kindern vertrauen muss – dann kommt schon etwas Gutes dabei heraus.