merkur.de, 2707.2021

Der Film „Gemeinsam statt einsam“ der Weßlinger Filmemacherin Ingrun Finke hat eine Einladung zum Festival nach Ludwigshafen bekommen. Jetzt will sich die 59-Jährige für die Berlinale bewerben.

Weßling – „Das ist eine Hammermeldung.“ Mit diesen Worten freut sich Filmemacherin Ingrun Finke (59) über eine Nachricht, die sie vor Kurzem erreicht hat. Quell der Freude ist die Bestätigung, dass ihr zum größten Teil in Weßling und mit Weßlingern gedrehter Kurzfilm „Gemeinsam statt einsam – Eine magische Reise durch schwierige Zeiten“ (wir berichteten) auf ein großes Filmfestival in Deutschland geschafft hat: auf das 17. Festival des deutschen Films im September in Ludwigshafen. Dort wird der 60-Minüter neben Werken wie „Jim Knopf und die Wilde 13“ von Dennis Gansel gezeigt.

Die Geschichte der mit Fantasy unterlegten Dokumentation gibt Corona vor, den Inhalt haben die rund 50 mitwirkenden Kinder und Jugendlichen teilweise selbst erstellt. Für Ingrun Finke ist es bereits der fünfte Kinder- und Jugendfilm in Eigenproduktion, bislang bekamen ihre Werke jedoch nur auf kleineren Festivals eine Plattform. Die Zusage für Ludwigshafen sieht sie als Bestätigung, dass ihre Arbeit mit jungen Laiendarstellern den Nerv der Zeit trifft. „Wichtig war mir, positive Aspekt in der Krise hervorzuheben“, betont die Filmemacherin, die nach der Filmhochschule unter anderem rund 70 Fernsehfilme gedreht hat.

Mitgewirkt an „Gemeinsam statt einsam“ haben rund 50 Darsteller zwischen sechs und 24 Jahren. Den Titelsong „Wir alle sind eins“ spendierte, wie berichtet, Konstantin Wecker. Gekostet hat das Projekt rund 50 000 Euro. „Ohne meinen Sponsor Haufe Lexware hätte ich das nicht finanzieren können. Für weitere Spenden wäre ich sehr dankbar“, sagt sie.

Die Voraussetzungen für den Dreh waren alles andere als rosig. Ursprünglich geplant war, dass sie mit ihrer Handkamera ein Jahr lang durch Deutschland zieht und dabei Kinder und Jugendliche vor Ort einbindet. Sie kam nach Ludwigshafen, Köln, Osnabrück – und als Ingrun Finke auf dem Sprung nach Berlin war, machte ihr die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Also plante sie um und verwandelte ihr Zuhause und ganz Weßling in eine Filmkulisse.

„Ich habe in meinem Reihenhaus in jedem Winkel gefilmt“, erzählt sie. Die Darsteller bauten im Garten einen Schneemann und fanden im Keller ein verzaubertes Tagebuch und eine magische Kugel. Im Schlafzimmer entdeckten sie das Wunder der Fundsachen: Jeder im Tagebuch notierte Wunsch, jede Vision oder jeder Traum reiste über die Glaskugel zu Gleichaltrigen irgendwo in Deutschland. Sie stellten Fragen: Wie war das mit dem Sport während dem Lockdown? Oder mit Freunden? Und hatte die Zeit der eingeschränkten Kontakte auch positive Seiten für euch? Die Antworten erreichte die Fragesteller über die Kugel und den Zuschauer auf der Leinwand.

Inhaltlich durften die Jungschauspieler im Rahmen des vorgegebenen Handlungsstrangs kreativ werden, was dem Ganzen die authentische Stimme der Heranwachsenden verleiht. „Ein kindgerechtes Kinoerlebnis, das Mut macht, durch schwierige (Pandemie-)Zeiten zu kommen“, urteilten die Verantwortlichen des Festivals. „So ein dichter, naher, zauberhafter Film“, huldigte Kameramann Georg Steinweh das Stück. Derweil feilt Finke am nächsten Coup: Sie will „Gemeinsam statt einsam“ bei der Berlinale anmelden.